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Verliebt in Blau, Acrylic on canvas, 40x40cm, 2020                                                                                  Gece, Acrylic and oil on cotton, 125x100cm, 2020

I just paint to say I love you

mit Cigdem Aky

Galerie Strzelski

06.02.-21.03.2021

Eröffnung am 05.02.2021 15 bis 21 Uhr

www.strzelski.de

Das Nebeneinander verschiedener Stile und Epochen ist ein typisches Merkmal digitaler Medien. Seien es die Downloadplattformen für Musik, wo Bach neben Beatles und Beyoncé stehen, sei es das zusammenhangslose Archivieren von Filmen und Serien auf netflix. Medieninhalte werden hier aus ihrem zeitlichen Kontext gerissen und unbefangen einander gegenübergestellt. Etliche dekontextualisierte Verweise und Bildzitate finden sich auch auf den Werken der Malerin Emel Geris (*1980 in Kayseri, Türkei). Von Albrecht Dürer über Caspar David Friedrich und Edvard Munch bis Roy Lichtenstein verfolgt Geris die Traditionslinien der Kunstgeschichte in ihren sehr oft nach Art eines Bühnenbilds arrangierten Motiven. Acryl auf Leinen entstehen hier Innenräume einer surrealen Welt der absoluten Gleichzeitigkeit von Epochen. Dennoch betreibt die an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, und der Universität der Künste, Berlin, bei Daniel Richter ausgebildete Künstlerin keine Malerei über Malerei, sondern verfertigt farbmächtige Gedankencollagen aus mimetischen Bildfragmenten, die wie Ideen, Thesen und Antithesen in einem räumlichen Diskurs widerhallen. Ein Nachdenken mit den Mittel der Malerei.

Auch in den Arbeiten von Cigdem Aky (*1989 in München) scheinen Analogien zu digitalen Bildformaten auf. Die an den Staatlichen Akademien in München und in Karlsruhe, dort als Meisterschülerin Prof. Helmut Dorner, ausgebildete Malerin erforscht in einem geradezu seriellen Verfahren mit jeweils gesetzten Bildelementen und Bildbereichen die Möglichkeiten emotionaler Wirkmacht von Farbarrangements. Aky teilt den Raum in ihren Sujets jeweils in einen starren hochrechteckigen balkenförmigen Bereich in der Mitte, der zu den Rändern des Formats hin von dynamischen Pinselstrichen aufgelöst wird. Das erinnert an die Bildaufteilung von Smartphone-Videochats, wo die chattende Person live im Mittelbalken zu sehen ist und drumherum eine statische Unschärfe (blurr) die dynamische Welt begrenzt und gleichzeitig betont. Nur verhält es sich bei Aky umgekehrt: Bei ihr ist das Zentrum statisch, ein konstruktives auf allen Arbeiten wiederkehrendes geometrisches Element, das von ungemein lebendigen, gestischen Pinselstrichen umspielt wird. Die Künstlerin stellt auf ihren, in Acryl oder Öl auf Baumwolle oder Leinen ausgeführten, Arbeiten das Unverrückbare, das Bleibende in den Fokus und schafft damit Sicherheit und Rückhalt für die Improvisation, für das Spiel mit den Farben, dem Farbauftrag und der Expression der eigenen Körperbewegungen beim Pinselschwung. Wo beim digitalen Videochat die persönliche Performance von formatfüllenden Schwarzbereich eingehegt, also gewissermaßen korsettiert wird, entfaltet sich bei Akys analogen Bildfindungen der persönliche Ausdruck in munterer, schrankenloser Manier um ein stützendes, weil verlässlich feststehendes Element. Gestik profitiert hier von der Statik – nicht umgekehrt.

In der Ausstellung „I just paint to say I love you“ finden nun beide Künstlerinnen zusammen und zeigen eindrucksvoll, wie unversehens beliebig die so geläufigen digitalen Medienarrangements und Bildkonstruktionen wirken, wenn sich echte Meisterinnen der surrealen Gedankencollage und der forschenden Bildfindung dem Thema annehmen.

Hansjörg Fröhlich     

 

 

 

 


Das Rote Zimmer, Acryl auf Leinwand, 40x40 cm, 2019

 HYBRID Solo show, Galerie Z, Stuttgart 

16.09.2020-31.10.2020

 www.galeriez.net

 www.art-alarm.de

 

HYBRID

Das Wort Hybrid bezieht sich auf etwas „Gebündeltes, Gekreuztes oder Vermischtes“ und stellt eine Art Mischwesen dar, das von zweierlei Art Herkunft ist und aus Verschiedenem zusammengesetzt wird. Biologisch gesehen gilt eine solche Mischform als Bastard, womit gleichzeitig auch ein uneheliches Kind bezeichnet wird, das aus einem nicht standesgemäßen Liebesverhältnis hervorgegangen ist. Gleichsam gibt es eine Verbindung zu dem Wort Hybris mit der Bedeutung von „Anmaßung, Überheblichkeit und Übermut“.

Emel Geris, die nach 15 Jahren Aufenthalt in Berlin wieder nach Stuttgart zurückgekehrt ist, zeigt nun unter diesem Titel ihre neuesten Werke auf Leinwand und Papier, sozusagen als ein Hybrid beider Städte. Und so wie sich in ihren Bildern schon immer Gegensätze wie Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit sowie Gut und Böse miteinander vermischt haben, präsentieren sich auch die aktuellsten Arbeiten als Hybride, in denen sich Motive aus der Kunstgeschichte in bühnenartigen Räumen bündeln, kreuzen und vermischen. Dabei lässt sie verschiedene Zeiten und Welten aufeinandertreffen, setzt sie zusammen zu neuen Szenarien, indem sie die Werke großer Namen ständig zitiert und sie somit zu Protagonisten ihrer eigenen Malerei macht. Manchmal wird etwas hinzugefügt, manchmal fällt etwas weg, und das Ursprüngliche erscheint in neuem Gewand. Die alten Geschichten werden recycelt, erhalten einen ungewohnten Anstrich und man fragt sich: Ist das etwa die Hybris, die im Titel der Ausstellung mitschwingt, oder ist es nicht vielmehr die Liebe zur Malerei, die immer wieder eine unkonventionelle Liaison eingeht und dabei – ob standesgemäß oder nicht – neue Früchte hervorbringt?!